Food for Thoughts

☆ LIBANON (1/2)

Dusty & hot.

Doch habe ich das Glück auch heute bei mir, denn wenn ich möchte, dann kann ich mich klimatisiert zurückziehen und noch viel wichtiger, ich kann etwa wählen, was ich wann, wie und wo essen möchte. Eines von mehreren Privilegien, die den Menschen hier, die ins Exil gezogen sind, unzugänglich sind.

Das Wort „Flüchtling“ wurde schon vor einer Weile mit „displaced person“ neu gefasst, in den Himmel des vermeintlich politisch korrekten damit gehoben und sagt weiter doch nichts besseres aus: meist unerwünschte Menschen, am Ende der Nahrungskette, ohne nennenswertes Konsumpotential, hier geduldet, wo anders an der Weiterreise gehindert, gar mit Waffen eingeschüchtert, die für das Exil teilweise unmenschliches über sich haben ergehen lassen, nur um dann vielleicht zu erfahren, dass dort, wo es doch so viel besser sein sollte, der eine Mangel durch einen anderen ausgetauscht wurde. Eine aufgegebene Heimat, die möglicherweise nie eine war, jedenfalls geplatzte Träume, bleibende Sehnsüchte.

Einer der Jungen, der angerannt kam, als ich mich mit einem fragenden Gesicht und der Gestik, ob ich näher in eines der Zelte aus Balken und Planen treten darf, bewegte, sollte mich den ganzen Tag über dort begleiten. Er war von zierlicher Gestalt, hatte smaragdgrüne, funkelnde Augen und einen aufgeweckten Blick. Er war der einzige, der sich mit ein paar Broken Englisch mir gegenüber verständlich machen konnte. Es war auch wegen Kindern wie ihm, das mir der Abschied später besonders schwer gefallen ist. Geboren in andere Bedingungen, in ein anderes Umfeld, mit Chancen und der Möglichkeit zu wählen, wie könnte er sich wohl entwickeln? Dieser Weg ist zwar nicht ausgeschlossen, denn alles ist möglich auf diesem Planeten, und doch zugleich wesentlich unwahrscheinlicher.

Als ich meinen Kopf aus dem Fenster des Autos streckte, um ihm und den anderen, die die ersten Meter mit dem fahrenden Auto noch rennend mithalten konnten, zu zuwinken, spürte ich den trockenen, aufgewirbelten Staub, der sich wie ein feines Spinnennetz über alles legt und zusammenzuhalten scheint. Die Kinder wirkten immer kleiner, bis sie schließlich wie vom Erdboden verschluckt, am hinteren Horizont nicht mehr auszumachen waren. In diesem Moment erachtete ich die Vorstellung von einem fairen, gerechten und liebenden Gott als nichts weiter als eine verdammt schwer zu glaubende Geschichte, der vielleicht nur mit einer großen Portion an Naivität gefolgt werden kann, die uns aber vor allem ruhig schlafen lassen soll.

Wir werden aus bestimmten Gründen wohl nicht hier tätig, aber anderer Stelle: www.stella-bildung-bewegt.org

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